Brunnenforschung

Ein alter Brunnen ist eine Zeitkapsel: Funde aus Sedimenten und Verfüllmaterial geben Hinweise auf die Geschichte einer Burg oder eines anderen alten Bauwerks. Oft erlauben sie interessante Rückschlüsse auf das alltägliche Leben der Menschen, für das der Brunnen eine unverzichtbare Grundlage war. Deshalb besteht der Zweck einer Brunnenausgrabung meistens nicht nur darin, den Wasserspiegel und die Funktionsfähigkeit des Brunnens wiederherzustellen; ein wichtiges Ziel – nicht selten sogar der Hauptzweck einer Grabung – ist die Sicherung archäologischer Funde und Befunde.

Technische Herausforderungen beim Ausgraben alter Brunnen

So wichtig die systematische Erforschung von Brunnen also ist, so viel gibt es in diesem Bereich der Burgenkunde bzw. der Archäologie immer noch zu tun – und das meist aus ganz praktischen Gründen. Denn die Bergung der Funde aus einem Schachtbrunnen ist mit einer Reihe technischer Herausforderungen verbunden:

  • Wie lässt sich ein sicherer und praktikabler Zugang zum Grund des Brunnens bzw. zur Grabungsstelle gewährleisten?
  • Wie wird das abgegrabene Material nach oben gefördert, das aus den unterschiedlichsten Verfüllungsmaterialien, Schlamm und Wasser bestehen kann, und
  • wie lassen sich alle Arbeitsabläufe mit der sorgfältigen, vollständigen Bergung auch kleinster Funde in Einklang bringen?

Das Marburger Beispiel

Ein gutes Beispiel für die gelungene Ausgrabung und Erforschung  eines bedeutenden Brunnenbauwerks ist der Schlossbrunnen in der Universitätsstadt Marburg. Er wurde in den Jahren 2011-12 von Dr. Rainer Nier-Glück und Marco Glück bis auf den Grundwasserspiegel auf Höhe der Lahn freigelegt. Dieser kurze Film informiert über den erfolgreichen Abschluss des Projektes und gewährt Einblick in die Verfahren, die dabei zur Anwendung kamen.

Die Stadt Marburg finanzierte diese Grabung und gewann mit dem historischen Schachtbrunnen eine interessante Sehenswürdigkeit zurück. Seither ist der Brunnen eine gern besuchte Station auf dem neu geschaffenen Grimm-Pfad und wird bei vielen Stadtführungen besucht. Wissenschaftlich begleitet wurde die Grabung durch das Institut für Bauforschung und -dokumentation (IBD) Marburg.

Verfahren einer Brunnenausgrabung

Das technische Herzstück einer Brunnenausgrabung ist eine leistungsstarke 380 V-Seilwinde, die eine Gondel über ein Vierbeingestell in den Brunnen hinablässt. Dort wird dann manuell gegraben und beladen. Bei Bedarf kommt eine Laufkatze an einer 12 m langen Gittertraverse zum Einsatz, mit der auch schwierige Geländebedingungen am Brunnen bewältigt werden.

Die Laufkatze dient dem horizontalen Transport eines 400 Liter fassenden Förderkorbes, der am Ende der Traverse auf einen Siebtisch entleert wird. Während unten im Brunnen die nächste Ladung in den Korb gefüllt wird, kann der Aushub am Siebtisch durchsortiert bzw. gewaschen werden. Bei einer Lochgröße von 6 mm erlaubt der Siebtisch ein zügiges und doch präzises Arbeiten; auch kleinste Funde werden zuverlässig erkannt und geborgen.

Personalbedarf

Die Grabungsarbeit selbst wird von zwei spezialisierten Fachleuten durchgeführt: Während eine Person in den Brunnen fährt und die Grabungsarbeiten ausführt, sorgt die andere Person oben am Brunnenrand für die Sicherheit und erledigt notwendige Handreichungen.

Zusätzliche Helfer werden am Siebtisch benötigt und für den Abtransport des Abraums. Je nach Art und Umfang des Projektes bzw. der zu erwartenden Funde kann eine eigene Dokumentationsstelle sinnvoll sein, die mit wissenschaftlich qualifiziertem Personal zu besetzen ist.

Dr. Rainer Glück und Marco Glück bei der Brunnenausgrabung Schlossbrunnen Marburg
Dr. Rainer Nier-Glück und Marco Glück bei der Ausgrabung des Schlossbrunnens Marburg 2013

 

Unsere Leistungen

Wir führen Brunnenausgrabungen nach dem geschilderten Verfahren in einer gut eingespielten Zusammenarbeit durch: Der Brunnenexperte Dr. Rainer Nier-Glück und sein Sohn Marco Glück, Inhaber von Glück Bau- und Montagebetrieb, verfügen über die notwendige technische Ausstattung, das Know-How und entsprechende Erfahrung, auch für anspruchsvolle Projekte bis 200 Meter Tiefe:

  • Sicherheit: Die Brunnenbefahrung geschieht am doppelt geführten Seil einer geprüften, auf mehrfache Traglast ausgelegten Elektro-Winde, ergänzt durch eine Personen-Seilsicherung. Ständige Gasmessung und Frischluftzufuhr schließen unsichtbare Gefahren in der Atemluft zuverlässig aus. Nicht zuletzt sind wir auch für eine optimale Beleuchtung des Arbeitsbereichs ausgestattet.
  • Dokumentation: Wir führen ein detailliertes Arbeitstagebuch, in dem nicht nur alle Arbeitsabläufe festgehalten werden, sondern auch Funde und Details der Brunnenwand. Dazu gehören Ausmauerung, Steinmetzzeichen und andere bauliche Einzelheiten, die durch unsere Arbeit ans Licht kommen.
  • Beauftragung und Genehmigungen: Brunnengrabungen erfolgen ausschließlich mit Genehmigung der zuständigen Denkmalschutzbehörden bzw. in ihrem Auftrag. Initiatoren sind Kommunen, Vereine oder Privatpersonen. Ihnen obliegt auch die weitere Betreuung der Funde.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie unsere Leistungen für die Ausgrabung eines Brunnens in Anspruch nehmen wollen. Auf dieser Seite finden Sie alle Kontaktmöglichkeiten …

Download: Unser aktuelles Faltblatt über Brunnenforschung und -Ausgrabungen (PDF, ca. 800 KB)

Bildinfo: Das Titelbild dieser Seite zeigt den römischen Brunnen vor dem Rathaus Köln, ausgegraben 2008.